Jugendliche oder junge Erwachsene, die aus verschiedenen Gründen keinen Einstieg in ein langfristiges Arbeitsverhältnis gefunden haben und von staatlicher Unterstützung abhängig sind, haben grosse Mühe sich aus dieser Abhängigkeit zu lösen. Welche Hindernisse stehen dem zum Beispiel entgegen? Ein problematisches Elternhaus oder privates Umfeld, mangelndes Selbstbewusstsein, fehlende Disziplin, geringe Sozialkompetenz, psychische Probleme und noch vieles mehr.

Ein interessanter Ansatz um dieser Zielgruppe einen Ausweg aus der Misere zu bieten, sind Projekte, die über Tanz- und Theaterarbeit ein Vielzahl von Kompetenzen vermitteln:

  • Gewöhnung an einen geregelten Tagesablauf
  • Erkennen der eigenen Ressourcen
  • Erwerb von handwerklichen, kreativen, technischen oder organisatorischen Fähigkeiten
  • Übung von Teamarbeit
  • Setzen und Erreichen von kurz- bis langfristigen Zielen
  • Gewinn von Selbstbewusstsein z.B. über erfolgreiche öffentliche Darbietungen
  • Entwicklung einer Motivation aus sich selbst heraus

Natürlich geht diese Entwicklung nicht ohne Reibung und Probleme “über die Bühne”. Gerade am Anfang sind viele Widerstände bei den Jungendlichen zu überwinden, bis sich erste Erfolge einstellen und dies auch für die Zielgruppe offenbar wird. Dies liegt an Verhaltensweisen und Rollenmustern, die sich über lange Zeit verfestigt haben. Wichtig ist deshalb eine langfristige Perspektive eines solchen Projekts. Aus meiner Sicht wäre es zusätzlich wünschenswert, wenn diese kreative Form des “Forderns und Förderns” mit Projektarbeit schon in der Schule einsetzen würde.

Hier sind ein paar Links zu solchen Projekten (auf Anfrage können weitere Links aufgenommen werden):

Andaba A – Theater Tanz Werkstatt

hiphopera – ein Projekt der Volkshilfe Wien

Theaterzirkus Primero Paso

Ein Ziel der Bologna-Reform war es, mit dem Bachelorabschluss in den Beruf einzusteigen und später per berufsbegleitender Weiterbildung ein Masterstudium abzuschliessen. Der Stifterverband für die Deutsche Wissenschaft hat jetzt ermittelt, dass in Deutschland nur jeder achte Masterstudiengang als Weiterbildung ausgelegt ist. Der Anteil spezieller weiterbildender Masterstudiengänge am gesamten Masterangebot variiert in den 16 Bundesländern zwischen 3% und 21%. Berlin liegt vorn mit einem Anteil von 21,45% weiterbildender Masterstudiengänge,  gefolgt von Rheinland-Pfalz mit 19,71%. Kaum weiterbildende Masterangebote gibt es dagegen in Thüringen (3,6%) und Schleswig-Holstein (2,98%).

Eine Ursache liegt wohl in der geringeren Nachfrage, aufgrund der unterschiedlichen Finanzierung. Vollzeit-Masterstudiengänge, die direkt nach Abschluss eines Bachelorstudiengangs starten, werden überwiegend vom Steuerzahler finanziert. Dagegen muss ein Weiterbildungs-Masterstudiengang vom Studenten selbst finanziert werden.

CAS, DAS, MAS und ETCS

Die Weiterbildungsmöglichkeiten an Schweizer Universitäten (s. Swissuni) und Fachhochschulen (s. KFH) wurden in den letzten Jahren sukzessive ausgebaut.  Durch die Einbindung in das Europäische Credit Transfer System (ETCS) sollen die Angebote und Leistungen transparent und vergleichbar sein. Es werden drei Titel unterschieden:

  • Certificate of Advanced Studies (CAS)
  • Diploma of Advanced Studies (DAS)
  • Master of Advanced Studies (MAS) oder Master of Business Administration (MBA)

Den höchsten Rang nimmt der MAS bzw. MBA ein, die als akademische Titel gelten. Der Aufwand beträgt mindestens 60 ETCS-Punkten, was etwa 1800 Arbeitsstunden entspricht. Eine Abschlussarbeit ist für diesen Titel obligatorisch.

DAS-Studiengänge bieten eine vertiefte Ausbildung in einem spezifischen Fachbereich. Der zeitliche Aufwand beträgt mindestens 30 ETCS-Punkte bzw. 900 Arbeitsstunden.

CAS-Studiengänge vermitteln spezifisches Fachwissen zu einem bestimmten Thema. Der zeitliche Aufwand beträgt mindestens 10 ETCS-Punkte bzw. 300 Arbeitsstunden.

Der Aufbau der Studiengänge ist häufig modular. Zum Beispiel kann ein MAS-Studiengang aus mehreren CAS- und/oder DAS-Studiengängen zusmmengestellt werden.

Angebotsbeispiele:

  • Für Pfarrer gibt es den MAS Angewandte Spiritualität an der Universität Zürich (Kosten: CHF 20 500.-)
  • Psychologen und Ärzte können sich mit dem MAS in Psychotheraphy der Universität Bern zum Psychotherapeuten weiterbilden (Kosten: ca. CHF 47 000.-).
  • Beschäftigte in Wirtschaft und Verwaltung können mit einem MBA der Universität St. Gallen ihre Aufstiegschancen erhöhen (Kosten: CHF 67 000.-).

Die Angebote sind meistens kostendeckend, im Fall der MBA auch gewinnbringend. Die Nachfrage nach diesen Angeboten der Weiterbildung steigt. Im Jahr 2005 erwarben an den 12 Universitäten der Schweiz 580 Personen einen Weiterbildungsabschluss. Im Jahr 2008 waren es bereits 1200 (Quelle: NZZ, 28.12.2009, S. 40, Boomender Markt).

Dresscode für Lehrer?

Wer kann aus seiner Schulzeit keine Anekdoten über Lehrer mit merkwürdiger Kleidung erzählen? Gab es da nicht die Englischlehrerin, die auf einem Bauernhof lebte und ab und zu vergass die Gummistiefel gegen anderes Schuhwerk zu tauschen? Oder der frischgebackene Lehrer, der mit abgewetzter Jeans und Palästinensertuch um den Hals ins Klassenzimmer trat. Auf der konservativen Seite des Spektrums gab es den Physiklehrer, der jeden Tag mit Querbinder (Fliege) die Tafel vollschrieb.

In gewisser Hinsicht ist die Lehrerkleidung ein Spiegelbild der Gesellschaft. Es wird aber auch eine durchschnittliche Tendenz zum Schlabberlook bei der Lehrerschaft attestiert (s. NZZ, Kleider machen Lehrer, 16. Nov. 2009, S. 38). Zum Teil legen die Schüler mehr Wert auf ein gepflegtes Äusseres als ihre Lehrer.  Dann gibt es jene Lehrer, die sich an der Kleidung ihrer Schüler orientieren und mit knappen T-Shirts oder Kapuzenjacken ihre textile Empathie unter Beweis stellen.

Über das Für und Wieder von Schulinformen für Schüler wurde schon viel diskutiert. Die Diskussion über die angemessene Kleidung von Lehrern steckt im deutschsprachigen Raum erst in den Anfängen (s. Schulblatt des Kanton Zürich 1/2009). In vielen anderen Berufen gibt es einen verbindlichen Dresscode, z.B. bei Polizei und im Gesundheitsbereich. Die siginifikanten Ergebnisse zur Gehorsamsbereitschaft, die das berühmte Milgram-Experiment ermittelte, beruhten nicht zuletzt auch auf dem weissen Kittel des Versuchsleiters. Aber wie wirkt sich die Kleidung des Lehrers auf seine Arbeit aus? Dazu gibt es verschiedene Hypothesen, z.B.:

  • Eine angemessene Kleidung signalisiert Wertschätzung gegenüber den Schülern.
  • Eine nachlässige Kleidung führt zu einem geringeren Respekt der Schüler gegenüber dem Lehrer.
  • Eine Anpassung an den Kleiderstil der Schüler wird von diesen als unpassende Anbiederung wahrgenommen.
  • Die Vorbildfunktion des Lehrers wird auch durch dessen Textilkompetenz bestimmt.
  • Toleranz und die Relativierung von Klischees kann auch durch nonkonformisitische Kleidung gefördert werden.

Als Argument für die letztere Hypothese können die Erfolge von “The Scary Guy” angeführt werden. Er schaffte es trotz oder wegen seines tätowierten und gepiercten Äusseren, vielen Schülern und Erwachsenen Werte wie Toleranz, Liebe und Anerkennung gegenüber anderen Menschen zu vermitteln.

The Scary Guy
The Scary Guy

Nachkommen von Einwanderern haben in Deutschland und Österreich deutlich schlechtere Chancen auf dem Arbeitsmarkt als junge Menschen mit zumindest einem im Inland geborenen Elternteil. Dies gilt auch, wenn sie das gleiche Bildungsniveau erreichen. In der Schweiz gelingt die Arbeitsmarktintegration der sogenannten „zweiten Generation“ (“Secondos”) dagegen vergleichsweise gut. Das ist das Fazit einer Vergleichsstudie zur Arbeitsmarktintegration der Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (OECD).

Quelle: OECD

Grafik: OECD

In Deutschland ist bei den 20 bis 29-Jährigen ”Secondos” der Anteil der Geringqualifizierten ohne Abitur oder abgeschlossene Berufsausbildung doppelt so hoch wie in der gleichen Altersgruppe ohne Migrationshintergrund, in Österreich sogar dreimal so hoch. Dies korreliert mit den Ergebnissen der PISA-Studie, die ergab dass in Deutschland und Österreich insbesondere die Secondos grosse schulische Defizite aufweisen. Während das deutsche Berufsbildungssystem diese schulischen Defizite etwas kompensieren kann, ergeben sich in Österreich sogar noch grössere Defizite bei der Berufsausbildung.

Während sich diese Tendenzen auch in anderen europäischen Ländern wie zum Beispiel Dänemark oder Belgien zeigen, sieht es in der Schweiz anders aus. Zwar schneiden auch hier die Secondos beim Pisa-Test etwas schlechter ab, aber der Anteil der Geringqualifizierten liegt auf dem gleichen niedrigen Niveau wie bei der Vergleichsgruppe ohne Migrationshintergrund.

Die Zukunft der schulischen Erziehung

In der SWR2-Radiosendung Die Zukunft der schulischen Erziehung plädiert Dr. Bernhard Bueb, der ehemalige Leiter des Elitegymnasiums Schloss Salem für die folgenden Ziele:

  • Flächendeckende und verpflichtende Einführung der Ganztagsschule
  • Änderung von Selbstverständnis und Rolle der Lehrer
  • Verbindliche Zusammenarbeit von Eltern und Lehrern
  • Übernahme von Führungsaufgaben der Schulleiter gegenüber den Lehrern

Die Ganztagsschule soll nach Bueb nicht dazu verwendet werden, den Unterricht auch auf den Nachmittag auszudehnen, so wie es gerade beim achtjährigen Gymnasium passiert, wo der Unterrichtsstoff von neun Jahren in acht Jahren bewältigt werden soll. In Deutschland wird Bildung traditionell als die Beherrschung einer messbaren Wissensmenge definiert. Bueb möchte einen anderen Bildungsbegriff:

“Ein gebildeter Mensch ruht in sich, weil er sich akzeptiert und daher andere akzeptiert, er vergleicht sich nicht ständig mit anderen, er öffnet sich mutig und neugierig der Welt, er kann sich distanziert sehen und nimmt sich nicht so wichtig, er begegnet den Menschen frei und unabhängig, er fühlt sich Werten verpflichtet, die er begründen kann und für die er einsteht und er richtet nicht über andere, weil er sich nicht über andere erhebt. Diese Haltung kann er in einer Gemeinschaft unter der Führung von Erwachsenen erwerben, im Unterricht, aber ebenso in vielfältigen Formen des Spiels am Nachmittag.”

Die Rolle des Lehrers muss neu definiert werden, weil das bisherige Modell zur Vereinzelung führt:

“Lehrer sind Einzelkämpfer und gestalten wie individuelle Künstler ihren Unterricht nach eigenem Gutdünken. Was guter Unterricht ist, bestimmen sie selbst. Diese Autonomie gewährt ihnen das Gesetzt, sie führt aber zur Vereinzelung. Ein Lehrer kann dreißig Jahre lang schlechten Unterricht geben, ihn aber selbst für gut halten und niemand wird Einspruch erheben, solange er die formalen Bedingungen erfüllt.”

Um dieses sich selbst immunisierende System zu verändern, schlägt Bueb die Einholung von regelmässigem Feedback durch die Schüler vor. Einmal im Jahr soll jeder Schüler die Qualität des Unterrichts in Form eines Fragebogens beurteilen, aber nicht anonym. Dies wird in einigen Schweizer Kantonen bereits so praktiziert. Der Schulleiter hat damit ein Führungsinstrument in der Hand, das als Grundlage für ein Gespräch mit dem Lehrer dient. Ein jährliches Gespräch zwischen Lehrer und Schulleiter sollte Pflicht werden. Eine Forderung, die nicht zuviel verlangt sein dürfte, gehört doch ein regelmässiges Mitarbeitergespräch in den meisten Unternehmen schon seit längerem zu den routinemässigen Führungsaufgaben.

Die Ganztagsschule könnte auch die Chance bieten zu einem Miteinander von Lehrern und Eltern zu kommen. Statt bei gegenseitigen Schuldzuweisungen stehen zu bleiben, könnten die Nachmittage dazu genutzt werden, die Eltern einzubeziehen und zu beraten.

Bildung auf einen Blick 2009

Die OECD-Studie Bildung auf einen Blick 2009 zeigt unter anderem die Ausgaben der Länder für Bildung im Jahr 2006 im Verhältnis zum Bruttoinlandsprodukt (BIP). Danach befindet sich Deutschland auf dem fünftletzten Platz, weil es gerade einmal 4,8% des BIP für Bildung ausgibt. Der Durchschnitt der OECD-Länder liegt bei 6,1% des BIP. Nur Irland, Spanien, die slowakische Republik und die Türkei leisten sich noch geringere Bildungsausgaben als Deutschland. Die Schweiz gibt immerhin 5,9% und Österreich 5,5% des BIP für Bildung aus. Island, USA, Korea und Dänemark haben am meisten in die Bildung investiert und jeweils mehr als 7% des BIP aufgewendet.

OECD_Bildungsausgaben_2006

Grafik: OECD

Im Auftrag der Zeitschrift “Eltern” hat forsa eine Umfrage unter 1000 Eltern von minderjährigen Kindern durchgeführt: Eltern-Studie. Daraus geht eine starke Unzufriedenheit mit der deutschen Bildungs- und Familienpolitik hervor. Die wichtigsten Ergebnisse:

  • Ein einheitliches Bildungssystem über Ländergrenzen hinweg, wünschen sich 91% der Umfrageteilnehmer.
  • 68% der Befragten halten das deutsche Bildungssystem für veraltet.
  • Für 64% der Eltern erfolgt die Trennung der Kinder in verschiedene Schulformen zu früh.
  • 57% der Umfrageteilnehmer wünschen sich eine bessere Versorgung mit Ganztagsschulen.
  • Ebenfalls 57% halten die vorschulische Förderung für unzureichend.
  • 55% der Mütter und Väter haben Probleme mit der Vereinbarkeit von Familie und Beruf.
  • 54% der Eltern geben an, ihre Kinder lieber auf private Schulen schicken zu wollen, falls sie es sich leisten könnten.

Ein Laptop für jedes Kind

Die US-amerikanische Non-Profit-Organisation OLPC (One Laptop per Child) hat zusammen mit dem Massachusetts Institute of Technology und verschiedenen Hard- und Softwareunternehmen den XO-Laptop (100-Dollar-Laptop), einen kostengünstigen, portablen Computer entwickelt.

XO

Foto: One Laptop per Child

Der XO-Laptop basiert auf einem AMD-Prozessor und dem Open-Source-Betriebssystem Linux. Die Hardware ermöglicht den Aufbau eines Funknetzwerkes (WLAN) ohne das zusätzliche Hardware (Router) notwendig ist. Viel Wert wurde auf hohe Energieeffizienz gelegt. Ist kein Strom aus der Steckdose vorhanden, kann der Akku über eine zusätzliche Handkurbel aufgeladen werden.

Neben eigens entwickelter Anwendungs-Software (Textbearbeitung, Grafikerstellung, Mediaplayer usw.) gibt es eine Reihe von Lernmaterialien. OLPC stellt die seit Projektstart im Jahr 2005 entwickelte Software der Allgemeinheit uneingeschränkt und kostenlos zur Verfügung (Open Source).

Neben der Verbesserung der Schulbildung zielt das Projekts langfristig darauf, die wachsende “digitale Kluft” der Industrieländer gegenüber den Entwicklungs- und Schwellenländern zu schließen. Durch seinen geringen Preis soll der XO-Laptop möglichst allen Bevölkerungsschichten den Zugang in das Internet und zu E-Learning erlauben.

Bis jetzt wurden über 540′000 XO-Laptops ausgeliefert. Vor allem in lateinamerikanischen Ländern wie Uruguay, Peru, Mexico usw. werden in den Schulen sehr viele XO-Laptops eingesetzt. Für einen vermehrten Einsatz in Afrika und Asien müsste wohl der Preis noch weiter sinken.

Digitale Online-Bibliotheken

Digitale Online-Bibliotheken machen Inhalte aus klassischen Bibliotheken für jedermann über das Internet verfügbar. Dazu werden Bücher und andere Medien zuerst digitalisiert, dann katalogisiert und schliesslich über eine Suchfunktion abrufbar gemacht. Texte werden oft über eine Volltextsuche zugänglich gemacht. Zumeist handelt es sich dabei um gemeinfreie Inhalte (Public Domain). Hier ist eine Liste von digitalen Online-Bibliotheken:

  • Europeana: Start 2008 mit 4 Millionen Dokumenten, 10 Millionen Dokumente bis 2010
  • Gallica: Start 1997, ca. 776′000 Dokumente, davon ca. 269′000 Texte (Stand Juli 2009)
  • Google Books: Start 2004, 15 Millionen Bücher sollen bis 2015 digitalisiert sein
  • Internet Archive: Start 1996, ca. 1,5 Millionen Texte und 150 Millionen archivierte Webseiten (Stand Juli 2009)
  • Open Library: Start 2007, ca. eine Million Bücher im Volltext abrufbar (Stand 2009)
  • Project Gutenberg: Start 1971, ca. 30′000 Bücher (Stand 2009)
  • The European Library: Start 2005, Zugang zu den Inhalten von europäischen Nationalbibliotheken
  • World Digital Library: Start 2009, 1190 digitale Dokumente (Stand Juli 2009)
  • Zeno.org: Start 2007, Deutschsprachige Volltextbibliothek mit viel Werbeanzeigen kombiniert

Funktioniert Gehirndoping?

Am 21.6.2009 wurde in SWR2 der Radiobeitrag “Chemisches Neuronentraining – Die Gefahren des Gehirndoping” von Dr. Ralph Schumacher, Kognitionswissenschaftler an der ETH  Zürich, gesendet. Er gibt einen Überblick über den derzeitigen Stand der Forschung zum Thema Neuromodulation: Die Beeinflussung von Lernleistungen mittels pharmakologischer oder technischer Interventionen. Er geht dabei auf die folgenden Substanzen bzw. technischen Interventionen ein:

  • Ginkopräparate
  • Methylphenidat
  • Donepezil
  • Modafinil
  • Levodopa
  • Gleichstrom

Entgegen den Versprechungen der Werbung und den Hoffnungen der schon heute zahlreichen Anwendern von Gehirndoping, konstatiert Schumacher in seinem Fazit, dass es

“… keine wissenschaftlich belegte pharmakologische oder technische Intervention gibt, die sich zum Gehirndoping eignen würde.”

Er empfieht statt dessen die Anwendung von Methoden der psychologischen Lehr- und Lernforschung, deren hohe Effektivität zweifelsfrei nachgewiesen wurden. Zum Beispiel:

  • Konstruktion von Selbsterklärungen: Erklärungen, die man für sich selber entwickelt, um sich einen Sachverhalt verständlich zu machen.
  • Organisation von Wissen anhand von problemlösungsorientierten Kriterien.

Am 17.06.2009 wurde in der ARD die Sendung “Hart aber fair: Zweiklassen-Gesellschaft schon im Kindergarten?” ausgestrahlt. Hintergrund sind die Forderungen und Streiks von deutschen Erzieherinnen in den letzten Wochen. Es geht dabei um höhere Entlohnung und bessere Gesundheitsvorsorge. In einem Filmbeitrag der Sendung wird der Lohn einer ungelernten Tätigkeit bei der Müllabfuhr dem Lohn einer gelernten Erzieherin im Kindergarten gegenüber gestellt: Während bei der Müllabfuhr 2′595 Euro verdient werden, sind es im kommunalen Kindergarten nur 2′130 Euro. Dazu kommen noch veraltete oder fehlende Ausstattungen in vielen Kindertagesstätten. Vor allem in Städten gibt es Kindergärten, wo kaum mehr ein Kind Deutsch als Muttersprache spricht. Dies alles führt zu einem wachsenden Angebot an privaten Betreuungsangeboten, die sich an einer finanzkräftigen Elternklientel orientieren. Geboten wird dort eine gezielte Frühförderung, z. B. englischsprachige Lerninhalte. Gehirn- und Lernforscher Prof. Manfred Spitzer nimmt eine recht kritische Haltung zu rein kognitiven Fördermassnahmen ein, die dem Kind zu wenig Zeit für Musse und Spiel lassen. Seine Argumente:

  • Kinder brauchen in diesem Alter Ruhe- und Spielphasen, um Erlerntes dauerhaft konsolidieren zu können.
  • Spiel- und Balgphasen führen zu einer Förderung der “Hardware”: Einer besseren Ausbildung des Nervensystems.

Fragen an Wolfram|Alpha

Seit dem 17. Mai 2009 ist Wolfram|Alpha online und will Informationen auf eine andere Art als Google oder Wikipedia zugänglich machen. Die Daten die dafür verwendet werden, stammen aus eigens ausgewählten bzw. selbst gepflegten Datenbanken und werden fortlaufend erweitert. Zum Teil wird die IP-Adresse des anfragenden Computers verwendet, um lokale Informationen darstellen zu können, z.B. für die Anzeige der aktuellen Himmelskarte. Ein weiteres Element ist die linguisitische Interpretation der Eingaben des Benutzers, die bislang aber nur in Englisch verarbeitet werden können. So ergibt die Eingabe von “3000 miles below the surface of the earth” Informationen zur Entfernung vom Erdmittelpunkt, Druck, Dichte usw. bei einem Punkt dreitausend Meilen unter der Erdoberfläche. Kann eine Eingabe nicht interpretiert werden, liegt dies meist am noch fehlenden Datenmaterial, zu dem eine Beziehung hergestellt werden kann. Ein weiteres Merkmal von Wolfram|Alpha ist die Verwendung einer fünfstelligen Anzahl von Algorithmen und Gleichungen. Dadurch resultieren zum Beispiel für die Eingabe “1000 miles below the surface of the earth” andere Ergebnisse wie in dem zuvor vorgestellten Beispiel mit 3000 Meilen. Für die Darstellung der Ergebnisse werden über 5000 verschiedene Arten der visuellen Darstellung benutzt. Auch akustische Informationen werden gegeben. Zum Beispiel kann man sich die Noten von klassischen indischen Ragas vorspielen lassen: Raga Pilu. Um ein Gefühl dafür zu bekommen, welche Fragen gestellt werden können, wurde ein Beispiel-Bereich angelegt in dem für viele Wissensbereiche einige Beispieleingaben gezeigt werden.

Im Gegensatz zu Google oder Wikipedia bildet Wolfram|Alpha weniger statische Darstellungen von Informationen bzw. Wissen ab, sondern versucht dynamische Verknüpfungen zu schaffen. Das können konkrete Ergebnisse von komplexen Rechenaufgaben sein oder statistische Vergleiche zwischen zwei Ländern. Aus didaktischer Sicht ist es ganz interessant, dass schon die Suche nach intelligenten Fragen gewisse Lerneffekte auslösen kann.

In der SWR-3 Sendung Nachtcafé vom 24.04.2009 ging es um die Ursachen und Konsequenzen der Gewaltexzesse von Jugendlichen. Anlass zur Sendung gaben das Schulmassaker in Winnenden und der Vierfachmord in Eislingen, die beide in Baden-Württemberg stattgefunden haben.

Die Sendung Nachtcafé behandelte schon mehrfach Themen aus den Bereichen Bildung, Erziehung, Gesellschaft und Medien. In der Regel werden diese Themen auch mit einem gewisen Tiefgang behandelt. Man hat das Gefühl, dass sich Moderator Wieland Backes auf ein Thema vorbereitet,  nachhakt und auch nicht so schnell locker lässt. Leider war die gestrige Sendung in dieser Hinsicht kein grosser Glanzpunkt. Moderator Backes bediente die klassischen Medienklischees und sprach mehrfach von “Waffenlobby” und “gewalttätigen Sportschützen”. Da wo es wirklich hätte in die Tiefe gehen können – zwei Gesprächsgäste hatten das Stichwort “Wohlstandsverwahrlosung” als Ursache genannt – ging der Moderator nicht darauf ein. Vom Baden-Württemberger Innenminister Heriber Rech wurden auch keine konkreten Konsequenzen aus den Ereignissen erfragt. Die ansonsten gut ausgewählten Gesprächsgäste haben am ehesten zu einer differenzierten Sichtweise beigetragen und damit letztendlich die Sendung gerettet und empfehlenswert gemacht.

Programmhinweis: Für den 8. Mai ist eine Nachtcafé-Sendung mit dem Titel “Arme kleine Tyrannen – was rettet unsere Kinder?” angekündigt.

Schülerzentrierter Unterricht

Carl Rogers war der Begründer der klientzentrierten Gesprächstherapie. Diese wissenschaftlich anerkannte Therapieform beruht auf den drei Pfeilern Wertschätzung, Empathie und Echtheit. Der Therapeut muss diese Grundhaltungen dem Klienten entgegenbringen um positive Veränderungen bzw. Lernprozesse anstossen zu können. Ziel ist die Entwicklung eines positiven Selbstkonzepts.

Um ein positives Selbstkonzept schon in der Kindheit zu fördern, sind nach Rogers, neben den drei bereits genannten, weitere Faktoren von Bedeutung:

  • Autonomie: Unterstützung der freien Entfaltung. Ständige Bevormundung, Kontrolle, Überprüfung und Zwang sind zu vermeiden.
  • Anregung und Unterstützung
  • Sicherheit, Geborgenheit und Zuverlässigkeit
  • Zulassen von Gefühlen

Carl Rogers hatte dabei in erster Linie die Eltern im Blickfeld. Es liegt für mich auf der Hand diesen Ansatz auch auf die Schule zu übertragen und einen “schülerzentrierten Unterricht” zu fordern. Kommen doch gerade die genannten Faktoren im heutigen Schulalltag viel zu kurz. Bei der Auswahl von angehenden Lehrern müsste auf entsprechende Grundfähigkeiten geachtet werden, die während der Ausbildung vertieft und systematisiert werden könnten. Schulpsychologen könnten die Lehrer später im Schulalltag unterstützend beraten und eine Supervision offerieren.

Schulpsychologen

Seit dem Amoklauf in Winnenden bekommt die Berufsgruppe der Psychologen wieder viel mediale Aufmerksamkeit. Zum einen die Psychotherapeuten, welche die  Traumata der Augenzeugen behandeln und die Verwandten und Bekannten der Opfer betreuen. Zum anderen die Schulpsychologen, die für eine Prävention solcher Ereignisse sorgen könnten. Aber in Deutschland hat ein Schüler wenig Gelegenheit einen Schulpsychologen überhaupt zu Gesicht zu bekommen (s. Monitor-Online-Beitrag). Im Jahr 2008 gab es einen Schulpsychologen für mehr als 16.000 Schüler. Länder wie Dänemark, Schweiz aber auch Griechenland oder Russland leisten sich einen wesentlich höheren Prozentsatz an Schulpsychologen. Bereits 1974 empfahl die Bund-Länder-Kommission ein Verhältnis von 5000 Schülern pro Schulpychologe. Von diesem Ziel sind die meisten Bundesländer himmelweit entfernt (s. Versorgungszahlen vom Berufsverband Deutscher Psychologinnen und Psychologen). In Niedersachsen kommen mehr als 26.000 Schüler auf einen Schulpsychologen. Das im Ländervergleich relativ wohlhabende Baden-Württemberg liegt an drittletzter Stelle (16.993 Schüler pro Schulpsychologe). Dies ist meiner Meinung nach ein unglaubliches Armutszeugnis, zumal schon nach dem Amoklauf in Erfurt im Jahr 2002 ein dringender Bedarf für mehr Schulpsychologen erkannt wurde. Übrigens liegt Erfurt im Bundesland Thüringen, das in der Versorgungsstatistik von 2008 am viertletzter Stelle steht (16.944 Schüler pro Schulpsychologe). Für mich stellt sich die Frage nach den Gründen für diese Misere. Meine Vermutungen: Gegenüber anderen Interessenverbänden ist der Berufsverband Deutscher Psychologinnen und Psychologen (BDP) relativ schwach und kann sich bei den Politikern nur schwer Gehör verschaffen. Auf der anderen Seite scheinen sich Kultus- bzw. Bildungsminister mehr für Exzellenzinitiativen und Kopftücher an Schulen zu interessieren.

Psychische Verwahrlosung

In Winnenden ist gestern der dritte Amoklauf an einer Schule in Deutschland innerhalb von sieben Jahren passiert. Tathergang und erste Angaben zur Person des Täters (s. NZZ-Online-Artikel) deuten auf eine psychische Verwahrlosung bzw. Wohlstandsverwahrlosung hin.

Meiner Ansicht nach sind Amokläufe nur die Spitze des Eisbergs der psychischen Verwahrlosung in unserer Gesellschaft. Komasaufen, Mobbing, Gewaltexzesse, Computerspielsucht, unbegrenzter Medienkonsum, Essstörungen sind nur die Symptome und Verstärker dieser psychischen Verwahrlosung von Kindern und Jugendlichen. Psychische Verwahrlosung führt zu einem Mangel an Mitgefühl, Aggressivität, Bindungsunfähigkeit und Vereinsamung. Die Ursachen liegen vor allem in mangelnder Zuwendung, Wertschätzung und ganz allgemein in Erziehungsdefiziten. Dies allein den Eltern anzulasten greift meiner Meinung nach zu kurz. Auch in der Schule muss psychische Verwahrlosung verhindert oder zumindest erkannt und gegengesteuert werden. Es ist die Pflicht der Politik dafür die Rahmenbedingungen und die finanziellen Mittel bereit zu stellen. Nach dem Amoklauf von Erfurt wurden die Gesetze verschärft, was populär und billig ist. Aber wir haben jetzt schmerzlich erfahren müssen, dass dies offenbar nicht ausreicht. In anderen europäischen Ländern gibt es auch psychisch verwahrloste Kinder und Jugendliche. Man sollte aber einmal der Frage nachgehen, warum dort diese extremen Ausbrüche der Gewalt nicht oder nur sehr selten stattfinden.

Computerspiele und “Tangential Learning”

Seit vielen Jahren zerbrechen sich E-Learning-Didaktiker den Kopf, wie man die starke Motivation die von Computerspielen ausgeht, auf die Vermittlung von Lerninhalten zu übertragen (siehe auch Lernen mit ernsthaften Computerspielen). Wie sieht es aus wenn man diese Thematik von der anderen Seite her betrachtet? Was sagen Leute, die in der Computerspiel-Industrie tätig sind zu diesem Thema? James Portnow und Daniel Floyd haben ein kurzweiliges Video erstellt, dass ihre Gedanken zu “Tangential Learning” zusammenfasst. Man kann dieses Konzept mit “beiläufiges Lernen” übersetzen. Damit ist gemeint, dass Computerspieler bereitwillig Wissen aufnehmen, das ihnen während eines Computerspiels präsentiert wird, z. B. über Links auf Wikipedia-Artikel. Die Autoren sind überzeugt, damit die Schwelle zum selbständigen Lernen herabsenken zu können, ohne den Spass der mit Computerspielen verbunden ist ebenfalls zu verringern.

Bildungsgutscheine

Das Konzept der Bildungsgutscheine wurde in den 1950er Jahren von Milton Friedmann entwickelt. Der Staat vergibt damit das Geld nicht direkt an Bildungseinrichtungen, sondern gibt es indirekt zuerst dem Bürger, der damit eine freie Auswahl des Bildungsangebots bekommt. Dahinter steht der Gedanke der Förderung der Eigenverantwortung des Bildungswilligen und der Wunsch nach mehr Wettbewerb zwischen den Bildungseinrichtungen.

Nun wurden die Ergebnisse einer experimentellen Feldstudie publiziert, die den Einfluss von Bildungsgutscheinen auf die Weiterbildung in der Schweiz untersucht. Dabei zeigte sich, dass dieser finanzielle Anreiz wirksam ist, denn die Weiterbildungsquote erhöhte sich von 34% auf 40%. Je höher der Gutscheinbetrag war, desto eher wurde er auch eingelöst. Es zeigte sich aber auch, dass das Preis-Leistungsverhältnis für den Staat ungünstig ist, wenn die Gutscheine nach dem Giesskannenprinzip verteilt werden. Denn nur die einkommensschwachen, weniger gut ausgebildeten Bevölkerungsgruppen würden auf die entsprechenden Weiterbildungsmassnahmen verzichten, wenn sie keinen Bildungsgutschein hätten. Dagegen hätten sich zum Beispiel 80% der Akademiker auch ohne Gutschein weitergebildet. Von den Autoren der Studie wird deshalb empfohlen, Bildungsgutscheine nur an Personen mit tiefer Grundbildung und mit tiefem Einkommen abzugeben. Mit dieser Massnahme könnten wohl auch die in dieser Personengruppe vermehrt anfallenden Sozialkosten gesenkt werden.

Frühkindliche Bildung in der Schweiz

Die Schweizerische UNESCO-Kommission hat eine Grundlagenstudie zur frühkindlichen Bildung in der Schweiz beauftragt, deren Ergebnisse am 20. Februar 2009 veröffentlicht wurden. Im internationalen Vergleich wird in der Schweiz relativ wenig in die vorschulische Bildung investiert. Während die OECD empfieht 1% des Bruttoinlandproduktes (BIP) für diesen Bereich zu verwenden, sind es in der Schweiz nur o,2% des BIP. In Deutschland und Österreich wird immerhin dreimal soviel für Kinderbetreuungseinrichtungen ausgegeben. Frankreich wendet 1,3% des BIP und Dänemark sogar 2,3% des BIP dafür auf. Weniger als die Schweiz gibt von den OECD-Ländern nur noch Portugal aus, nämlich gar nichts. In der Schweiz besuchen nur knapp 25% der Drei- bis Vierjährigen eine Kindertagesstätte, die meisten im Tessin. Viele dieser vorschulischen Einrichtungen sind den Eltern zu teuer, da sie nicht unentgeltlich wie die Kindergärten sind. Ausserdem fehlt eine qualitative Überprüfung dieser Angebote.

Die Studie kommt durch Vergleiche mit dem Ausland zu folgenden Ergebnissen, die zeigen warum sich höhere Investitionen in die frühkindliche Bildung lohnen:

  • Die Kinder bekommen bessere Schulabschlüsse.
  • Frühkindliche Bildung fördert die soziale Integration und Chancengleichheit.
  • Die Eltern sind vermehrt berufstätig und erzielen ein höheres Einkommen.
  • Der Staat profitiert von höheren Steuereinnahmen.
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