Der Jugendpsychologe Allan Guggenbühl hat in der Neuen Zürcher Zeitung (26.01.09) einen bemerkenswerten Artikel geschrieben: Anspruch und Realität der BestenSelbstlegitimation und Überschätzung als Gefahren der Eliten.

“Die Gefahr solcher deklarierten Eliteschulen ist, dass es nicht primär um Begabungen und Fähigkeiten geht, sondern um das Heranbilden eines elitären Selbstverständnisses. Sie sind darauf spezialisiert, durchschnittlich begabten Jugendlichen ein überhöhtes Selbstwertgefühl zu vermitteln.”

Auch wenn durch Stipendien Angehörige von weniger begüterten Schichten eine kleine Chance zum Besuch einer Eliteschule erhalten, entstammt die Mehrzahl dieser Schüler einem exklusiven und zahlungskräftigen Milieu, dass sich diese Exklusivität auch bewahren möchte. Guggenbühl weist zurecht auf die damit verbundenen Zwänge für die Lehrer hin. Wird ein Lehrer das Verhalten und die Leistung eines Sprösslings von gut zahlenden Eltern hinterfragen oder sich nicht besser im eigenen Interesse zurückhalten?

“Studiert man die Biografien von Menschen, die sich wirklich durch spezielle Begabungen und Fähigkeiten auszeichnen, dann haben sie oft nicht eine Eliteschule besucht. … Viele mussten sich gegen Widerstände durchsetzen und entwickelten ihre Fähigkeiten in Auseinandersetzung mit widrigen Umständen.”

Es wäre interessant im Gegenzug den Leistungsausweis von Absolventen von Eliteschulen zu überprüfen. Damit meine ich nicht den blossen Schulerfolg oder die nachfolgende Erlangung von einflussreichen Posten und Titeln, sondern die wirkliche Bewältigung von schwierigen Leistungen in Wirtschaft, Politik, Wissenschaft, Kultur etc.. Ex-US-Präsident George W. Bush besuchte zum Beispiel die gleiche Eliteschule wie sein Vater und sein Bruder Jeb (Phillips Academy). Sein Leistungsausweis nach acht Jahren Präsidentschaft steht allerdings für das Gegenteil von Exzellenz. Sein Nachfolger Barack Obama besuchte sowohl staatliche als auch private, aber wenig exklusive Schulen. Wie wird einst sein Leistungsausweis aussehen?