13 Sep
von Antonio Anta Brink - Kategorie: Allgemein, Erziehung, Gesellschaft, Politik, Schule
In der SWR2-Radiosendung Die Zukunft der schulischen Erziehung plädiert Dr. Bernhard Bueb, der ehemalige Leiter des Elitegymnasiums Schloss Salem für die folgenden Ziele:
Die Ganztagsschule soll nach Bueb nicht dazu verwendet werden, den Unterricht auch auf den Nachmittag auszudehnen, so wie es gerade beim achtjährigen Gymnasium passiert, wo der Unterrichtsstoff von neun Jahren in acht Jahren bewältigt werden soll. In Deutschland wird Bildung traditionell als die Beherrschung einer messbaren Wissensmenge definiert. Bueb möchte einen anderen Bildungsbegriff:
“Ein gebildeter Mensch ruht in sich, weil er sich akzeptiert und daher andere akzeptiert, er vergleicht sich nicht ständig mit anderen, er öffnet sich mutig und neugierig der Welt, er kann sich distanziert sehen und nimmt sich nicht so wichtig, er begegnet den Menschen frei und unabhängig, er fühlt sich Werten verpflichtet, die er begründen kann und für die er einsteht und er richtet nicht über andere, weil er sich nicht über andere erhebt. Diese Haltung kann er in einer Gemeinschaft unter der Führung von Erwachsenen erwerben, im Unterricht, aber ebenso in vielfältigen Formen des Spiels am Nachmittag.”
Die Rolle des Lehrers muss neu definiert werden, weil das bisherige Modell zur Vereinzelung führt:
“Lehrer sind Einzelkämpfer und gestalten wie individuelle Künstler ihren Unterricht nach eigenem Gutdünken. Was guter Unterricht ist, bestimmen sie selbst. Diese Autonomie gewährt ihnen das Gesetzt, sie führt aber zur Vereinzelung. Ein Lehrer kann dreißig Jahre lang schlechten Unterricht geben, ihn aber selbst für gut halten und niemand wird Einspruch erheben, solange er die formalen Bedingungen erfüllt.”
Um dieses sich selbst immunisierende System zu verändern, schlägt Bueb die Einholung von regelmässigem Feedback durch die Schüler vor. Einmal im Jahr soll jeder Schüler die Qualität des Unterrichts in Form eines Fragebogens beurteilen, aber nicht anonym. Dies wird in einigen Schweizer Kantonen bereits so praktiziert. Der Schulleiter hat damit ein Führungsinstrument in der Hand, das als Grundlage für ein Gespräch mit dem Lehrer dient. Ein jährliches Gespräch zwischen Lehrer und Schulleiter sollte Pflicht werden. Eine Forderung, die nicht zuviel verlangt sein dürfte, gehört doch ein regelmässiges Mitarbeitergespräch in den meisten Unternehmen schon seit längerem zu den routinemässigen Führungsaufgaben.
Die Ganztagsschule könnte auch die Chance bieten zu einem Miteinander von Lehrern und Eltern zu kommen. Statt bei gegenseitigen Schuldzuweisungen stehen zu bleiben, könnten die Nachmittage dazu genutzt werden, die Eltern einzubeziehen und zu beraten.
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